Gemeinsam einsam - oder die Erkundung der Welt ♂ + ♀

Backpacking durch Georgien

2 Wochen auf den Spuren von Persern, Arabern, Russen, Türken und Georgiern

Einleitende Worte

Georgien? Wo liegt das? Was willst Du da? Ist das nicht gefährlich? Ein Land, das zu Europa gehört, aber eingeklemmt zwischen Russland, Türkei, Azerbaidschan und Armenien liegt, das in 2008 in einen bewaffneten Zwischenfall mit dem großen nördlichen Nachbarn verwickelt war, dessen politische Vertreter immer mal wieder in Amtsmissbrauchs- und Korruptionsaffären verstrickt sind und auf dessem Territorium mehrere ungelöste Konflikte wabern? Wirklich dahin? So oder ähnliche Fragen begleitet mit viel Stirn runzeln und Kopfschütteln - das war die übliche Reaktion auf meine neuesten Urlaubspläne. Aber mal ehrlich. Hand aufs Herz. Ging es mir da denn anders? Vor dem Urlaub hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken in diesen Dreiklang der Ablehnung eingestimmt.
Ihr wollt wissen, wie es nach dem Urlaub aussieht? Dieses Geheimnis wird an dieser Stelle noch nicht gelüftet. Bringt ein bisschen Geduld mit und lest einfach weiter. Nur so viel kann schon mal verraten werden: Zwei Wochen können Vorurteile verändern :-)

Kutaissi 3.6.2018

Kutaissi. Zweitgrößte Stadt Georgiens, kurzzeitig bzw. immer mal wieder Sitz des Parlaments und Herberge eines Internationalen Flughafens, doch hierzulande (und vermutlich auch im Rest Europas) so unbekannt wie die Wahrheit inmitten von fake News. Ach ja, und das Wichtigste: Start unserer Georgienreise. Der low cost Carrier „Wizzair“ bedient seit kurzem diesen Flughafen von mehreren dt. Städten aus, darunter auch Memmingen aka “München West“. Die Preise sind im Vergleich zu den wenigen anderen Direktverbindungen von Deutschland aus unschlagbar günstig. Dafür wird an allen Ecken und Enden gespart: Beinfreiheit, Getränke und Snacks. Sogar die Ankunftszeiten werden auf ökonomisch optimale Uhrzeiten getrimmt. Wer also kein Problem damit hat, morgens um 2:30 in einem fremden Land und fremden Kultur anzukommen, stürze sich in das Abenteuer;-) Zwar wird ein zuverlässiger Shuttleservice ins „Zentrum“ Kutaissis angeboten, doch karrt dieser die Passagiere mitnichten ins Zentrum, sondern zu einem vom Stadtkern fußläufig nicht erreichbaren McDonald’s. Die örtliche Taxifahrergilde reibt sich die Hände. Alle, die nun böse Absichten unterstellen, mögen sich bestätigt fühlen, kostet doch die Weiterfahrt gut und gern das Doppelte / Dreifache als der übliche innerstädtische Taxifahrpreis. Innerorts sind es 5 GEL, wir mussten 15 GEL berappen. Natürlich immer noch günstig, angesichts des Nachtzuschlags und der Tatsache, dass wir uns ein Taxi mit anderen Deutschen teilen konnten. Allerdings hatten wir kein gutes Händchen bei der Wahl unseres Fahrers, denn er konnte unser Hotel nicht finden. Oder wollte. So irrte er mehr als eine halbe Stunde im Zentrum rum, ohne dass wir unserem Ziel näher kamen. Genervt von der Fahrerei, erschöpft vom Flug und übermüdet ob der Uhrzeit gaben wir dem Vorschlag des Taxlers uns in ein anderes Hotel zu bringen nach. Hauptsache Bett. Wer da jetzt wieder böse Absichten unterstellt, dem sei gesagt: Das war die einzige uns „spanisch“ vorkommende Situation des Urlaubs. Letztendlich war das Hotel ganz in Ordnung, es war zudem billiger als das vorgebuchte. Also alles halb so wild. Nach einem kurzen Nickerchen, starteten wir in den Tag. So ein powernap kann ich nur jedem empfehlen ;-)
Kutaissi weilt trotz seines Status als zweitgrößte georgische Stadt (ca. 150.000 Einwohner) in einem beschaulichen Kleinstadtmodus. Es geht ruhig zu. Frauen und Kinder sitzen im Park, ältere Männer bereden alltägliches bei einer Tasse Kaffee und Marktverkäufer transportieren ihre frische Waren auf Eselgespannen zum Green Bazar, dem zentralen Bauernmarkt der Stadt. Die Atmosphäre ist ansteckend, man lässt sich von der Gemütlichkeit treiben, gibt sich der Beschaulichkeit und dem Tempowechsel nur allzu gerne hin. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt schafft man auch in piano;-) Da wäre die Bagrati-Kathedrale auf einem Hügel unweit des Zentrums zu nennen, das zuvor genannte Parlamentsgebäude im Westen der Stadt, der bereits angesprochene Green Bazar als Herzstück des urbanen Zentrums und last but not least die fast schon antike, aber voll funktionstüchtige Seilbahn hinter dem Touristenzentrum, die zu einem kleinen Vergnügungspark (hauptsächlich für Kinder) oberhalb der Stadt führt (ein Muss ist das Riesenrad, toller Ausblick!). Informationen zur Stadt werden gerne bereitwillig und in gutem Englisch in der neu errichteten Touristenzentrale 100m südlich des Bazars gegeben. Hier erfuhren wir u.a. auch, welcher Marshrutka (ein lokales ziemlich klappriges Transportmittel, meist ein Sprinter/Ducato älteren Baujahrs mit 4-5 Sitzreihen für 10-15 Personen) zum Parlament fährt. Gezahlt wird innerorts beim Ausstieg, die Fahrt kostete hier schlappe 0,50 GEL, was ca. 0,20€ entspricht.
Mein Fazit der Stadt ist: Kutaissi ist kein must-see, aber eignet sich hervorragend um sanft im Land anzukommen oder für einen Zwischenstop vom oder zum Oberen Swanetien (Mestia / Mazeri).
Bagrati Kathedrale Bagrati Kathedrale
Blick vom Vergnügungspark Blick vom Vergnügungspark
Tomaten & Auberginen - köstlich Tomaten & Auberginen - köstlich

Mazeri 4./5.6.2018

Früh morgens um 9 Uhr startete ein fast nur mit ausländischen Touristen besetztes Marshrutka nach Mestia ins Obere Swanetien (ca. 15 GEL), der Region etlicher 4- und 5.000 Tausender. Die Fahrt dauert ca. 6h und führt in Zugdidi beginnend langsam aber stetig von Meeresniveau an ins 1.500m hohe Mestia. Gut festhalten, denn die Straße kann bumpy sein, als Weide von Kühen missbraucht werden oder einfach zur Hälfte fehlen – sie lag einige hundert Meter weiter unten am Hang;) Aber keine Sorge: Die Fahrer kennen sich aus, sie sind praktisch mit der Straße verwandt und kennen jede Unebenheit. Unten ein kleines Video, wie es in einem Marshrutka zugehen kann.
Da unser Ziel nicht Mestia, sondern das kleine Bergdorf Mazeri war, baten wir den Fahrer, an der Stichstraße, die nach Mazeri führt, anzuhalten. Wie es der Zufall wollte, wartete dort auch schon ein Taxifahrer auf lauffaule Kundschaft wie uns. 20 GEL und 15min später waren wir in Milas Guesthouse angekommen. Mazeri ist ein ursprünglich gebliebenes georgisches Bergdorf inmitten imposanter Bergkulisse (ich werde nie den Ausblick vom Balkon von Milas Guesthouses auf die umliegenden Gipfel vergessen!) das abseits der modernen Welt ein Schattendasein fristet. Es gibt zwar erste Spuren vom Einfluss des Tourismus (einige Guesthouses, ein mini-Supermarkt und ein Skilift), aber der Ort konnte sich meiner Meinung nach einen authentisch-anachronistischen Charme bewahren: Hier laufen die Uhren wirklich noch anders, Zeit ist relativ, es wird aufgestanden, wenn der Hahn kräht, geschafft bis der Magen knurrt und ins Bett gegangen, wenn die Sonne untergeht. Hektikgeplagte Menschen finden hier definitiv Ruhe. Allerdings darf man seitens der Unterkünfte keinen Luxus erwarten: Die Zimmer sind zwar groß, aber spartanisch eingerichtet, die Notdurft wird mangels Kanalisation auf einem Plumpsklo verrichtet und die sanitären Einrichtungen werden geteilt. Aber wer hier herkommt, sucht nicht nach Luxus und Verschwendung. Wer hier herkommt, sucht Entspannung und Abwechslung vom stressigen Alltag. Und er bekommt nicht nur das. Die Hausherrin unseres Guesthouses, Mila, ist eine ganz hervorragende Köchin. Mit viel Liebe und fast ausschließlich selbst angebauten Zutaten zaubert sie ganz köstliche georgische Speisen, wie z.B. Khachapuri, einem mit Käse gefüllten und gebackenem Brot, die zudem in ihrer Portionsgröße seines gleichen suchen. Allein dafür ist es fast wert, die etwas beschwerliche Anreise in Kauf zu nehmen.
Der andere Grund sind die vielfältigen Wandermöglichkeiten, die sich hier im Nord-Kaukasus, unmittelbar an der Grenze zu Russland, bieten. Es kann entweder eine Tagestour nach Mestia in Angriff genommen werden, weitere einsame Bergdörfer als Ziele ausgesucht werden, oder, wie wir es taten, zum Gletscher von Mt. Ushba aufzusteigen. Die Wanderung führt aus Mazeri heraus über Weideflächen an einem Fluss entlang, windet sich nach Querung desselbigen stetig Höhenmeter um Höhenmeter nach oben, bis nach ca. 3h ein Grenzposten der georgischen Armee erreicht wird (Pass mitnehmen!). Hier empfiehlt es sich mit den Grenzern kurz zu reden, ob der weitere unmittelbare nachfolgende Anstieg hoch zum Gletscher passierbar ist. Bei Regen sollte die Passage über das Schneefeld nur mit äußerster Vorsicht und mit stetem Blick nach oben genossen werden! Es kann durchaus sein, dass sich aufgrund von Schneeschmelze oder Regens Felsbrocken lösen, die unkontrolliert und mit großer Wucht über das Geröllfeld schießen. Es braucht nicht erwähnt werden, dass dabei Lebensgefahr herrscht. Nichtsdestotrotz ist die Wanderung ein wunderbarer Tagesausflug, weil sie immer wieder tolle Blicke auf das unten liegende Tal, die umgebenden schneebedeckten Gipfel und natürlich den Mt. Ushba preisgibt. Und das Beste: Mila wartet schon mit einem reichhaltigen Abendessen auf die hungrigen Gipfelstürmer:-) Streckenprofil
Milas Guesthouse: Blick vom Balkon Milas Guesthouse: Blick vom Balkon
Mit Liebe zubereitetes Abendessen...und Nachschub Mit Liebe zubereitetes Abendessen...und Nachschub
Frühstück Und weils sooo lecker war: Noch ein Bild vom üppigen Frühstück
Kurz vor dem Grenzposten Kurz vor dem georgisch-russischen Grenzposten
Mt. Ushba Prächtig, aber heut leider ein wenig schüchtern: Mt. Ushba
Marshrutka: live :-)

Batumi 6./7.6.2018

Wie könnte man Batumi, dem Retortenbadeort und Vorzeigeprojekt der Regierung, am besten kurz und knackig beschreiben? „Disneyland für Architekten“ (ein Dank an Simon für dieses bonmot!), „Las Vegas der Russen“ oder „Perle des östlichen Schwarzen Meeres“? Die Wahrheit liegt wohl so oft irgendwo dazwischen. Auf jeden Fall ist der Gegensatz ein krasser, der sich nach zwei Tagen der Abgeschiedenheit in den Dörfern des Kaukasus und der hektischen Hafenstadt offenbart. Aus diesem Grund sollte diese Station der Reise eine der kürzesten und am wenigsten eindrucksvollen werden. Aber da soll sich jeder, der in diese Stadt kommt, ein eigenes Bild machen. Sicherlich hätte diese Stadt genügend geboten, was das Touristenherz begehrt. Feine Restaurants und chillige Lounges direkt am Strand, zur Ablenkung einladende Casinos und ein hübscher kleiner Stadtkern. Doch wer den Fokus eher auf die Schönheiten der Natur und den zwischenmenschlichen Erfahrungen mit den Georgiern legt, wird hier schwer fündig werden.
Drum verliere ich nur noch ein paar Worte zur Unterkunft und der Abreise: Das Hotel Old Street Guesthouse bot angenehm große, saubere und modern eingerichtete Zimmer zu niedrigen Preisen, ca. 50GEL ohne Frühstück. Fragt nach dem Zimmer mit der Terrasse im obersten Stock – hier lässt sich wunderbar mit Blick über die Stadt das selbst gemachte Frühstück genießen. Zur Weiterfahrt nach Tiflis nahmen wir den Zug, der, ich muss gestehen, völlig überraschend pünktlich, modern, geräumig, sauber und klimatisiert war. Die Zugfahrt nach Tiflis dauerte ca. 6h (Abfahrt ca. 7:30), kostete 20GEL und war daher im Vergleich zum Marshrutka genauso schnell bzw. günstig.
Batumi Batumi
Seilbahn Blick von der Seilbahn auf Batumi
Einer von vielen Wolkenkratzern Einer von vielen Wolkenkratzern

Tiflis 8./9.6.2018

Quirlig, vielfältig, laut, heiß und hektisch erwartete uns die Hauptstadt Georgiens. Raus aus der Prärie, rein ins Getümmel. Das galt für uns als auch die anderen über 1 Mio. Menschen in Tiflis. Also stürzten wir uns gleich mitten rein ins bunte Gewurle. Was bietet sich da besser als der größte Lebensmittelmarkt des Landes an, der Dezeerter Markt ? Es ist unfassbar wie groß wie dieser Markt ist, ein eindeutiger Beginn oder Ende kann gar nicht genau ausgemacht werden. Überall werden die verschiedensten Waren zum Verkauf angeboten, egal ob am regulären Marktstand, im U-Bahn-Zwischengeschoss, aus dem Kofferraum heraus oder auf der Straße. Was an den Mann bzw. Frau muss, wird irgendwo angeboten. Was mich allerdings wunderte: Alle 10m werden ähnliche Waren angeboten. Haushaltwaren gesellen sich zu Haushaltswaren, Nüsse zu Nüssen, Toilettenartikel zu Toilettenartikel usw. – will heißen: Das Alleinstellungsmerkmal, weswegen ich als Käufer bei Verkäufer A oder B kaufen sollte, wurde mir trotz stundenlangen Schlenderns nicht ganz ersichtlich. Aber nun gut, das wird wohl ein Geheimnis der georgischen Kultur bleiben. Unabhängig davon: Unbedingt probiert werden muss auf diesen Märkten das frische Obst, das reichhaltige Gemüseangebot, der Sulgini- und Räucherkäse und, wenn ihr zufällig drüber stolpert, ein frisch geräucherter Fisch. Köstlich, nahrhaft und super günstig! Mir machte es auf jeden Fall viel Freude, durch die Gassen zu streunern, das Angebot zu bestaunen und hier und da mit den Verkäufern ins Gespräch zu kommen. Lasst euch von eurer Nase leiten, sie wird euch schon zu den leckersten Stellen führen;)
Um einen Überbkick über diese aufregende Stadt und die weiteren Sehenswürdigkeiten zu bekommen, empfehle ich eine free Walking tour. Das Prinzip ist in jeder Stadt gleich: Die Tour ist kostenlos, am Ende kann dem Guide je nach Gefallen ein kleinerer oder größerer Betrag zugesteckt werden. Wir erwischten eine sehr gut informierte Amerikanerin, die sich während ihrer Weltreise in das Land und die Stadt verliebte und unverhoffts hier ihre Zelte aufschlug. Die Tour startete am Freedom Square und graste mit dem Viertel der Schwefelbäder, der Statue Mother of Georgia, einer Klamm inmitten der Stadt , und so manchen versteckten und demnach vermutlich unerkannt gebliebenen Ecken die wichtigsten sights ab. Natürlich durfte geschichtliches nicht fehlen; darauf werde ich aber hier nicht eingehen. Da kann jeder Interessierte auf anderen Seiten einschlägige Informationen finden.
Was an Info vielleicht noch relevant ist: Die Schwefelbäder können vor Benutzung kurz besichtigt werden (einfach höflich an der Kasse fragen), was einen ersten und guten Eindruck über die Einrichtung vermittelt. Nach Sichtung einiger Bäder entschieden wir uns für das modernste, weil kürzlich renovierte ( Orbeliani Bath ), das mit 40 GEL für den Raum, 20 GEL p.P. für die Massage und 5 GEL für Handtücher nur moderat über den Preisen der anderen lagen. Der Besuch eines Schwefelbades und die Nutzung einer Massage ist kein Muss, aber definitiv ein echtes Highlight. Wer es nicht macht, verpasst eindeutig was. Ich empfand die Massage als wohltuend, wenn gleich die Behandlung mitunter etwas rau und ruppig war – aber nur wo gehobelt wird, fallen Späne. Man darf sich die Massage nicht so wie bei uns vorstellen, sondern die oder der Masseur/in verwendet einen groben Handschuh, mit dem sie/er die äußere Hautschicht abschrubbt. Hautpeeling in Extase. Das kann wie gesagt etwas schmerzhaft sein, für ganz zartbesaitete Gemüter ist das wohl nichts. Danach allerdings, fühlt man sich wie neugeboren: Rein, sauber und runderneuert. Also: Wer Zeit hat, sollte sich diese jahrhundertealte Tradition nicht entgehen lassen! Übrigens können die Räume vorreserviert werden, was wir tags zuvor taten. Auf in den Kampf:-)
Und noch einen weiteren sehr guten Tipp hatte der Guide für uns parat: Richtig gutes georgisches Essen (ohne Nepp zu Touri-Preisen) findet man im Restaurant Machakhela. Hier wird die komplette georgische Vielfalt zu Tisch serviert: Egal ob Khinkali, Khachapuri (probiert die Adjirian Variante mit Ei!), Lobiani (Brot mit Bohnenfüllung) oder Mzwadi (Schaschlikspieße) - allerlei Köstlichkeiten warten nur darauf erobert zu werden!
Dezeerter Markt Auf dem Dezeerter Markt
Sameba Kathedrale Sameba Kathedrale
Nostalgische Blechschilder Nostalgische Blechschilder
Traditionelle Bäckerei Traditionelle Bäckerei
Orbeliani Bath Orbeliani Bath
Statue Mother of Georgia Statue Mother of Georgia

Tagesausflug: Mtskheta 10.6.2018

Da Tiflis relativ zentral in Georgien liegt, bietet es sich an, von hier aus einige Ausflüge zu starten. So kann beispielsweise die ehemalige Hauptstadt Mtskheta des früheren Reiches Iberien bequem an einem Tag besucht werden (15km nördlich von Tiflis). Für den Transport bietet es sich an, per UBahn zum Busbahnhof Didube zu fahren und dort eines der unzähligen Marshrutkas nach Mtskheta zu nehmen (1 GEL). Das kleine Städtchen weist viele Kulturdenkmäler vergangener Epochen auf, darunter die Swetizchoweli-Kathedrale, das Frauenkloster Samtavro und das auf einem Hügel östlich der Stadt thronende und von weitem sichtbare Dschwari Kloster. Der Aufstieg zu letzterem ist besonders wegen seiner Aussicht sehr zu empfehlen. Der Weg vom Zentrum Mtskhetas hoch zum Dschwari Kloster führt zwar kurzzeitig an der Autobahn entlang, doch ist der Standstreifen sehr breit und das Stück nur wenige hundert Meter lang. Danach führt eine Unterführung auf die andere Seite, von wo aus der kurze und nicht allzu anstrengende Anstieg zum Kloster beginnt.
Noch ein Tipp: Oben warten nur selten Taxis (wohl weil nur wenige Wanderer den Hügel zu Fuß erklimmen), darum bleiben eigentlich nur zwei Optionen für den Rückweg: Entweder auf dem selben Weg nach Mtskheta zurückgehen und eines der Marshrutkas nach Didube nehmen oder ihr habt viel Glück beim Trampen und eines der hinabfahrenden Fahrzeuge/Busse hält an. Für uns hielt eine georgische Großfamilie an und nahm uns in ihrem eigentlich rappelvollen Transporter mit nach Tiflis. Die Verständigung beschränkte sich leider mangels georgisch/englisch-Kenntnissen nur auf Hand- und Fingerzeichen, doch die freundlichen Gesichter und Lachfalten verrieten großes Interesse und Freude an unserer kurzen Anwesenheit. Streckenprofil
Dschwari Kloster Dschwari Kloster
Für Angedenken und Hoffnungen Für Angedenken und Hoffnungen
Autobahn: Verkehrsschild Ein weiter Weg...;-)

Tagesausflug: David Gareja 11.6.2018

Wie auch Mtshketa gestern, so kann auch die Klosteranlage David Gareja an einem Tag besichtigt werden. Geht dazu einfach um kurz 11 Uhr an den Pushkin Square und wartet mit den anderen nicht zu übersehenden Touristen auf die Minibusse von Gareji Line (Facebook) . Die Fahrt dauert ca. 2h, kostet 20 GEL p.P. und bringt euch schnurstracks zum einstigen kulturellen und spirituellen Zentrum Georgiens. Einsiedlermönche, die der Höhlenbaukunst mächtig waren, erschufen hier ab dem 6. Jahrhundert n.Chr. einen faszinierenden Klosterkomplex, der in den nachfolgenden Jahrhunderten um Bauwerke und Höhlenanlagen stetig erweitert wurde. Die auf der UNESCO-Weltkulturliste stehende Anlage ist aber keineswegs nur wegen seiner Höhlen und Kirchen ein Ausflug wert, sondern vielmehr wegen seiner Landschaft und seiner abgeschiedenen Lage. Etwa 1h nach dem Verlassen von Tiflis wandelt sich das Landschaftsbild. Aus sattem Grün wird cremefarbenes Gras, schattenspendende Bäume werden in der hügeligen und kargen Landschaft vergebens gesucht. Dieser Kontrast zu Tiflis, die weite Ödnis sowie die Abgeschiedenheit und Ruhe üben einen ganz besonderen Reiz auf den Besucher aus. Nehmt euch ein paar Minuten in der Anlage / am Hügel oberhalb und lasst die Atmosphäre auf euch wirken. Wer kann nicht spüren, wie hier einst fleißige Mönche ihre Spiritualität suchten?
Noch ein Tipp: Zieht wenn möglich feste Schuhe an. Besucher berichteten uns von Schlangen. Es kann sicher nicht schaden, beim Gehen ordentlich aufzustampfen um somit die sensiblen Tierchen vor der eigenen Ankunft zu warnen.
Einziger Nachteil an der kostengünstigen Verbindung von Gareji Line ist der obligatorische Halt auf dem Rückweg an einem Restaurant. Das Kaff schreit vor Einsamkeit und Abgelegenheit, lediglich die zwei neuen Restaurants wollen nicht so recht ins landschaftliche Bild passen. Naja, so kann immerhin ein wenig die lokale Bevölkerung davon profitieren:-)
Kurz vor David Gareja Kurz vor David Gareja
David Gareja David Gareja - himmlisch beleuchtet
Höhlenmalereien Eine der vielen sagenhaft gut erhaltenen Höhlenmalereien
Karge öde Hügellandschaft rund um das Kloster Karge, öde Hügellandschaft rund um das Kloster
Kaff mit Restaurants Kaff mit Restaurants
Marshrutka: live :-)

Stepanzminda / Mt. Kazbeg 12./13.6.2018

Der Ort Stepanzminda, der nur 10km von der russischen Grenze im Nordkaukusus entfernt liegt, wäre nicht der Erwähnung wert, wenn nicht das vermutlich meist fotografierteste Motiv des Landes hier oben stehen würde. Das Gergeti Kloster ist DER Grund für einen Besuch. Im Hintergrund vom majestätischen Mt. Kazbeg eingerahmt, thront das wunderschöne Kleinod unübersehbar hoch auf einer Hügelkuppe oberhalb von Stepanzminda. Besonders wenn die tagtäglich vielen vielen Besucher noch nicht auf dem Hügel unterwegs sind, und es noch etwas beschaulicher und ruhiger zugeht, übt das Kloster eine faszinierende Anziehungskraft aus. Also kommt zeitig 😁
Hier oben im hohen Norden ist immer mit Regen und schnellen Wetterumschwüngen zu rechnen. Noch am Anreisetag regnete es unaufhörlich und die tiefen Wolken gaben nur kurze Einblicke in die wunderschöne Bergwelt frei. Doch wie auf den Bildern zu sehen ist, hatte der Wettergott ein Einsehen: Am Tag des Aufstiegs begleitete uns bestes Bergpanoramawetter - was natürlich auch daran liegt, dass wir immer brav aufgegessen haben (Tipp: Im Good Food wird exzellentes georgisches Essen serviert! Der Namen ist meiner Meinung nach pure Untertreibung: Vielmehr müsste es "Fantastic Food" oder "Yummi Food" heißen 😋) Das prima Wetter sollte aber nicht die einzige angenehme Begleitung bleiben, denn den Aufstieg wagten wir zusammen mit einem sehr netten Pärchen, das wir zufälligerweise tags zuvor auf der Fahrt kennenlernten. So lautete also das Motto morgens in aller Herrgottsfrüh: Geteiltes Leid ist halbes Leid & gemeinsam sind wir stärker.
Für den Aufstieg zum Kloster bieten sich nun mehrere Möglichkeiten: Der Fahrweg (für die Jeeps) und drei Wanderwege. Bezogen auf den Track, der unten verlinkt ist, würde ich sowohl für Auf- als auch Abstieg den linken Wanderweg wählen, der in Gergeti hinter einer Schranke beginnt und sich südlich der Klosteranlage den Hügel emporschlängelt. Die Höhenmeter müssen natürlich auf allen drei Wegen bewältigt werden, doch hat dieser den Vorteil, relativ gut angelegt und ruhig zu sein (keine Jeeps). Außerdem stehen einige Bänke bereit, die zur Rast einladen. Das Gergeti Kloster sollte aber nur ein kurzer, wenn auch wunderschöner, Zwischenstop werden, denn galt es bis zum Gletscher vom Mt. Kazbeg auf 3.000m aufzusteigen. Der Weg dahin ist zwar nicht markiert oder ausgeschildert, aber dank vieler Trampelspuren kann der Pfad eigentlich nicht verfehlt werden. Für den etwas über 20km langen Auf- und Abstieg, der stellenweise eine gewisse Trittsicherheit und Grund-Kondition voraussetzt, würde ich mit Pause an der 1. neuen Basisstation ungefähr 7h einplanen. Verpflegung muss mitgenommen werden, denkt an Sonnenschutz, winddichte Kleidung und ausreichend Wasser. Wenn ich an die Gesichter der anderen zurückdenke und mir meine eigene Freude wieder einfällt, dann weiß ich, dass sich alle Mühen gelohnt haben. Seht euch die Bilder an und ihr wisst warum:-)
Als Unterkunft kann das Hotel Sandro empfohlen werden. Der Besitzer ist freundlich, die Zimmer sind erst kürzlich renoviert worden, die Dusche großartig und in unmittelbarer Nähe befindet sich ein hervorragender Bäcker. Kostenpunkt 50 GEL. Streckenprofil
Mt. Kazbeg Mt. Kazbeg
Gergeti Kloster (im Hintergrund: Mt. Shani) Gergeti Kloster (im Hintergrund: Mt. Shani)
Mt. Kazbeg vom Gergeti Kloster Mt. Kazbeg vom Gergeti Kloster
Kurze Rast mit Blick auf Mt. Shani Kurze Rast mit Blick auf Mt. Shani
Verhüllt aber trotzdem majestätisch: Mt. Kazbeg Verhüllt aber trotzdem majestätisch: Mt. Kazbeg
Aufstieg zum 1. Basislager Aufstieg zum 1. Basislager

Kutaissi 14.-16.6.2018

Es hieß Abschied nehmen vom wunderschönen Nord-Kaukasus, noch einmal ein sehnsüchtiger Blick in Richtung Mt. Kazbeg, dessen bombastischer Anblick uns gestern so viele schöne Motive bescherte, denn in den frühen Morgenstunden verließen wir den Nord-Kaukusus. Im Marshrutka ging es mit Umstieg am Busbahnhof Didube (Tiflis) ohne einen weiteren Halt nach Kutaissi, das nach den vielen neuen Eindrücken der vergangenen 2 Wochen fast schon vertraut wirkte.
In der unmittelbaren Umgebung befinden sich mit der Gelati Monastery und dem kleinen Kloster Motsameta zwei bedeutende spirituelle und ehemals geisteswissenschaftliche Zentren Georgiens. In der dem Gelati Kloster angeschlossenen Akademie wurden zu früheren Zeiten Rechtsgelehrte, Philosophen, Wissenschaftler und Theologen ausgebildet. Heute können in der Anlage rekonstruierte Fresken aus der Erbauungszeit als auch Gräber bedeutender georgischer Könige besichtigt werden. Die Klosteranlage steht auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste.
Wunderbar kombinieren lässt sich der Halb-Tagesausflug zu den beiden Klöstern mit einem Besuch der Prometheus-Cave , einer jahrtausende alte Tropfsteinhöhle, dessen beeindruckende Stalagtiten und -miten sowie Kühle eine willkommene Abwechslung bieten. Die Höhle wurde von europäischen Spezialisten mit Lichttechnik aufgewertet, was die opulenten Gesteinsformen noch mehr ins rechte Licht rückt. Der Eintritt ist mit ca. 35 GEL (foreigners) vergleichsweise hoch. Die Höhle ist kein Pflichtpunkt bei einem Besuch Georgiens, man sieht nicht mehr als in anderen Höhlen dieser Welt. Wer allerdings der manchmal unerträglichen Hitze der Flachebene Kutaissis entkommen versucht, dem sei ein Besuch wärmstens ...äh... kühlstens😉 ans Herz gelegt.
Last but not least ein Essenstipp für Kutaissi: Mitten im Zentrum befindet sich ein ausgezeichnetes Restaurant mit dem etwas unschmeichelhaften Namen Baraqa . Doch davon nicht täuschen lassen! Denn hier wird georgische Küche at it's best zu sehr moderaten Preisen serviert (Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise, Getränke zusammen ca. 50 GEL). Egal ob Khinkali, Lobiani oder Khachapuri - der Geschmack war jeweils ausgezeichnet, die Portionen üppig und der Service schnell und aufmerksam. Dont' miss😘.
Fresken in Gelati-Monastery Fresken im Kloster Gelati
Kloster Motsameta Kloster Motsameta
Prometheus Cave Prometheus Cave

Fazit

An dieser Stelle ein Fazit zu ziehen fällt mir besonders leicht: Georgien ist flächenmäßig gesehen eher ein kleines Land, aber dafür in der Ausprägung der Landschaft ungemein vielfältig, was es damit für vielerlei Arten von Urlaub als attraktives Ziel macht. Sonnenhungrige können sich an den Stränden, Boulevards und in den Nachtclubs Batumis amüsieren, Wanderer und Kletterer finden ideale Naturbedingungen im Süd- und Nordkaukasus, Weinliebhaber finden in den Regionen Kachetien und Imeretien ihr Eldorada (darauf wurde im Bericht gar nicht eingegangen - es fehlte schlichtweg die Zeit für einen Abstecher🙈) und Kulturbegeisterte können sich von der Strahlkraft der zahllosen Museen in Tiflis überzeugen.
Was mich aber am meisten vom Land begeisterte, war die Freundlichkeit der Menschen, die eine große Zufriedenheit und Lebensfreude ausstrahlten. Nicht alles ist perfekt in diesem kleinen schönen Land, vieles fehlt noch und muss weiter entwickelt werden. Was ich mir hierfür wünsche ist, dass die Georgier beim Wandel in eine modernere Welt ihr Lächeln, ihre Hilfsbereitschaft und ihre Gutherzigkeit stets aufrecht erhalten.
Ich behalte damit Georgien in allerbester Erinnerung und kann einem jeden Neugierigen nur einen Besuch empfehlen. Kommt bald, wer weiß, wann die Moderne hier zuschlägt.