Gemeinsam einsam - oder die Erkundung der Welt ♂ + ♀

Der Donauradweg: Von Wien nach Tulcea.
- Flagge Rumänien Rumänien & Flagge Bulgarien Bulgarien -

Einleitende Worte

Mit den beiden osteuropäischen Staaten Rumänien und Bulgarien, mit Kroatien die jüngsten Mitglieder der EU, begann der für mich spannendste, weil vermutlich andersartigste Teil der Tour. Wie würde es in den beiden ehemaligen Ostblockstaaten mehr als 25 Jahre nach dem Mauerfall und dem Zusammenbruch der Sowjetunion aussehen? Würde noch viel an die ehemalige kommunistische Herrschaft erinnern und wo könnte auf der anderen Seite vom Einfluss der EU was zu sehen sein? Und natürlich ganz banale Dinge: Wie würde die Unterkunftssituation in den beiden Staaten aussehen? Bisher war es kein Problem eine Unterkunft am Wegesrand zu finden, allerdings merkten wir mit zunehmendem Ostdrang, dass Gästehäuser immer seltener und schwieriger zu finden sind.

Die Strecke, die wird durch die beiden Länder wählten, umfasste insgesamt 897km. Basis unserer Entscheidung war einerseits die Erfahrung, dass bulgarische Nationalstraßen mitnichten schlaglochfrei sind, weswegen wir die rumänische Seite bevorzugten und andererseits als Tagesziel stets größere Städte (>20.000 Einwohner) aussuchten um die Chancen auf Übernachtungsmöglichkeit(en) zu erhöhen. So ergab sich teilweise ein regelrechtes Hüpfen über die Landesgrenzen. Was nebenbei bemerkt nie ein Problem darstellte. Auch dank der Freiheit einer Kreditkarte, war es währungstechnisch betrachtet gleichgültig ob wir uns im einen (Lei) oder anderen Land (Leva) aufhielten. VISA sei Dank.
Sozialistische "Prachtbauten" begleiteten uns übrigens über die ganze Strecke hinweg. Bahnhöfe, Bürogebäude und Plattenbausiedlungen prägten vielerorts das Stadtbild. Einfluss der EU konnte ich bei der Förderung ländlicher Infrastrukturmaßnahmen, wie Krankenhäuser, Praxen, Schulen und Kindergärten, als auch bei der Förderung von landwirtschaftlich genutzten Flächen erkennen. Jeder Landwirt, der was auf sich hielt, beackerte mit schwerem landwirtschaftlichen Gerät aktueller Generation die Äcker.

Flagge Rumänien Drobeta Turnu Severin - Flagge Bulgarien Vidin 2.9.2017, 112km

Was für ein Kontrast! Nach der gestrigen wunderschönen Etappe durch das Naturparadies am Eisernen Tor gab's heute nur Straße, Straße, Straße UND viel viel Verkehr. Heute stand unter dem Motto: Das Ziel ist das Ziel. Auf bulgarischer Seite erwarteten uns dann sozialistische "Prachtbauten" aus längst vergangen geglaubten Zeiten. Ein Plattenbau löste den anderen ab, übertroffen nur durch Marodität. Das von uns auserkorene Hotel in Vidin steht dazu wiederum im krassen Kontrast: Am Rande eines ruhigen Parks gelegen, stand neben halbverfallenen Mehrfamilienhäusern ein prächtiger herrschaftlicher Bau, der nicht nur von außen überzeugen konnte: Die Zimmer waren angenehm groß, das Frühstück vielfältig und reichhaltig und für geschundene Radl-Wadl stand im Innenhof ein Pool bereit. Das Hotel Anna Kristina ist nur zu empfehlen und schlug lediglich mit 30€ zubuche.
So uneinladend uns die Stadt empfing, so hübsch hat sie sich abends beim Essen (Salat, Fisch, Palatschinken - lecker!) und auf dem sehr gut besuchten Volksfest präsentiert. Für Autoscooter kann man übrigens nie alt genug sein;-) Und das Essen im Restaurant Provereno war eines der besten auf der gesamten Strecke. Streckenprofil
Vidin: Plattenbautencharme Vidin: Plattenbautencharme
Vorzügliches Essen Vorzügliches Essen
Auf einem Volksfest in Vidin Auf einem Volksfest in Vidin

Flagge Bulgarien Vidin - Flagge Bulgarien Kozloduj 3.9.2017, 99km

Wer hat magische Füße? Wer führt einen Regentanz auf und es regnet danach? Offenbar der Thomas. Nach endlosem Gejammer über die Hitze und dem aufgeführten Regentanz (zum Glück nur gedanklich) wurde sein Bitten erhört: Petrus schenkte uns einen Regentag. Naja, nicht wirklich einen ganzen Tag...mehr eine Stunde - für einen Test auf Wasserdichtheit unserer Regenklamotten hat es also gerade so gereicht:-). Auf der Etappe warteten einige knackige Anstiege, was unsere geölten Beine allerdings vor keine allzu großen Herausforderungen stellte. Einer dieser Anstiege war davon besonders unangenehm (in Lom), weil es nicht nur die Steigung mit über 10% zu überwinden, sondern auch die unzähligen kleinen und großen Schlaglöcher zu umfahren galt. Wie recht wäre heimischer Asphalt:-).
Größtenteils fuhren wir durch karges, wenig bevölkertes Land. Die wenigen Einheimischen leben weitestgehend in halb zerfallenen Häusern. Es türmt sich der Müll. Pferdefuhrwerke sieht man hier so häufig wie sonst nur beim Einzug der Festwirte auf der Wiesn. Und egal welcher Ort durchfahren wird, es bietet sich oftmals dasselbe erschreckende Bild: Unabhängig von Tageszeit und Wochentag sitzen Männer vorm Konsum rum, rauchen und schlürfen Bier. Ich maße mir nicht an, darüber zu richten, denn Schicksalsschläge können jeden ereilen, aber offenbar ist die Arbeitslosenquote hier recht hoch, so dass der Tag nicht in Produktionshallen oder auf Ackerflächen verbracht wird, sondern vor dem Konsum.
Kozloduj, der Ort in dem wir übernachtet haben, war dagegen eine richtige Perle -) zumindest besaß er eine schmucke kleine Übernachtungsmöglichkeit, das Guest House Zora . Bei der allabendlichen Essensversorgung musste heute mit Händen und Füßen hantiert werden: Auf der einen Seite kein bulgarisch, auf der anderen kein englisch - Thomas als alter kyrillisch-Crack bewies bei der mühseligen Übersetzung eine Engelsgeduld. Während ich kurz in die Unterkunft zurücklief um unsere auf dem Balkon trocknenden Sachen vor einem wolkenbruchartigen Regen zu schützen, übersetzte er mal schnell die Karte. So weit wie es zumindest ging, denn auch der Google Übersetzer stieß hier an seine Grenzen und spuckte so manches ulkige aus:-) Wer möchte schon "Gelbbrei mit Hals" essen? Am Ende gab's Frikadellen mit Kartoffelbrei, Sprotten und meinen geliebten Tomatensalat mit Feta. Yummi:) Abgesehen von der kyrilischen Karte kann das Restaurant in Gitsa uneingeschränkt empfohlen werden! Streckenprofil
Autsch Autsch
Landschaftliche Idylle Landschaftliche Idylle
Was nehmen wir denn heute?!? Was nehmen wir denn heute?!?

Flagge Bulgarien Kozloduj - Flagge Rumänien Corabia 4.9.2017, 85km

Rückenwind en masse! Treten? Kaum. Puls? Unter 100. Anstrengung also minimal. So blieb mehr Zeit um die Gegend zu betrachten. Interessant war die Fährüberfahrt von Orsohova nach Bechet (ROM): Ein riesiger Kahn, Platz für etliche LKWs, Autos, Busse...und uns zwei Radler:) Wenn auf mehreren Hundert Kilometer Entfernung zur Überquerung der Donau nur zwei Brücken kommen, dann freut das die Fährschifffahrt;-)
Auf rumänischer Seite erwartete uns das bekannte dörfliche Bild: Vor jedem zweiten Haus stand eine Bank, fast jede war von meist älteren Dorfbewohnern besetzt. Fast alle grüßten freundlich den beiden Fremden zu. Fun fact: Sogar Pferdefuhrwerke benötigen offenbar ein Kennzeichen. Streckenprofil
Fährschiff Ein riesiges Fährschiff. Ob wir noch drauf passen?
Kutsche Wann wohl die nächste AU/HU zu machen ist?
Corabia: Verfallende Industrieruinen Corabia: Verfallende Industrieruinen

Flagge Rumänien Corabia - Flagge Rumänien Zimnicea 5.9.2017, 84km

Ein Tag ohne Hotelfrühstück muss ned unbedingt schlecht beginnen, wenn ein Penny im Ort ist. Wer hätte solch hübschen Supermarkt in Rumänien erwartet? Frische Semmeln, Baguette, Käse, Wurst, Actimel sowie Obst ... und fertig war das Frühstück! Mit dieser guten Basis vergingen die 85km sehr flott. Unerwähnt sollten der gute Belag, der wenige Verkehr, die wenigen Hm und der viele Rückenwind nicht bleiben. Zu sehen gabs nix, außer winkenden Einheimischen, Feldern und Weilern - mit anderen Worten das bekannte Bild aus den letzten Tagen. Als Unterkunft suchten wir uns das Hotel Inter in Zimnicea. Mit 63 Euro sehr sehr viel für rumänische Verhältnisse, wir durften also einiges erwarten! Was wir vorfanden war allerdings enttäuschend: Ein enges Zimmer, unfreundliches Personal, eine nicht auffindbare Pool/Wellness Area und ein schmuckloses Frühstück a la carte. Zu allem Überfluss gab es im Ort gab es nur ein einziges Restaurant, zufällig das im Hotel. Wucher. So blieb nichts anderes übrig als zu überteuerten Preisen und mäßig guter Küche in der Lobby zu essen. Passend: Mein Handy ziert seit heute ein fescher Riss quer durchs Display:-(. Beton und Kante vertragen sich nicht so gut. So war ich also froh, als wir am nächsten Tag den Ort verließen. Das einzige positive: Wie ein Wunder gabs auch heute wieder Rückenwind satt. Obwohl bei Recherchen des öfteren zu lesen war, dass in der rumänischen Tiefebene der Ostwind kräftig blasen würde, ist von dieser Kraft bisher noch nichts zu sehen. Ich ahne schon schlimmes;-) Ob sich da noch jemand zurückhält?
Übrigens gab es auf dieser Etappe nichts spannendes zu fotografieren. Nicht ein Mal eine Sonnenblume. Karge weite Ödnis so weit das Auge blicken kann. Daher auch nur ein einziges pic. Streckenprofil
Irgendwo im Nirgendwo Irgendwo im Nirgendwo

Flagge Rumänien Zimnicea - Flagge Bulgarien Russe 6.9.2017, 75km

Auf der Fahrt ins heutige Ziel nach Russe kamen wir durch Giurgiu, einer größeren Stadt am südlichen Zipfel Rumäniens. Wir steuerten in Giurgiu den Bahnhof an und erkundigten uns über Zugverbindungen von Tulcea nach Bukarest. Die ernüchternde Antwort: Es gibt zwar eine Direkt-Verbindung nach Bukarest, allerdings verkehrt diese nur bis Anfang September. Da wir erst Mitte September fahren wollen, sind wir wohl etwas zu spät dran;-) Zwar schlug die freundliche und gut englisch sprechende Schalterdame eine Alternativverbindung vor, allerdings müssen wir noch überlegen, ob wir den Zug mit Umstieg in Constanta, eine zusätzliche Übernachtung, eine Bimmelbahn und einem first-come-first-serve Prinzip bei der Fahrradmitnahme auf uns nehmen wollen.
Am Ziel der Etappe in Russe wurden wir freundlich(!) im subjektiv besten Hotel des Ortes mitten im Zentrum (Dunav Plaza) empfangen. Die Zimmer waren modern und das Frühstück sollte das beste der gesamten Reise werden. Unbedingt zu empfehlen! Kosten: 30€.
Darüber hinaus ist für mich die Stadt eine der Leckerbissen der Reise. Klein und überschaubar, doch belebt und jung (dank mehrerer Universitäten), eine schöne Donaupromenade und eine kleine feine Altstadt - direkt vor unserem Hotel. Nicht umsonst wird die Stadt auch als "Wien Bulgariens" bezeichnet, was aufgrund der vielen Gründerzeithäuser, die das Innenstadtbild prägen, mehr als verdient ist. Streckenprofil
Bulgarien: Check. Bulgarien: Check.
Donaupromenade Russe Donaupromenade Russe
Stadtbild Russe Stadtbild Russe

Flagge Bulgarien Russe - Flagge Rumänien Oltenita 7.9.2017, 78km

Mit einem exzellenten Frühstück im besagten Hotel Dunav Plaza haben wir Bulgarien letztmals verlassen. Wir begaben uns nun auf den letzten Abschnitt auf rumänischer Seite, der noch knapp 450km beträgt. Die heutigen 85km boten landschaftlich kaum Abwechslung, das gewohnte Bild aus sich wechselnden Feldern, Ortschaften, Alten auf Bänken und ganz versprenkelt ein paar Wälder, so dass ich mir während der Fahrt Gedanken über eine eigene Homepage machen konnte:) Wäre es ned nett, seine Urlaubsreisen online zu stellen? Nicht nur aus dem Antrieb heraus, eine Plattform für Informationen rund um den Donauradweg zu bieten, sondern auch für die eigene Dokumentation und einer unvergesslichen Reise einen würdigen Abschluss zu bieten. Wie ihr seht, hat es wohl funktioniert;-)
Zurück zur Etappe: Die heutige Unterkunft, Villa Europa in Oltenita, ist eine sehr modernes und sauberes Hotel. Mit 45€ zwar recht viel, aber ... man gönnt sich ja sonst nix:) Die Unterkunft war jeden € wert. Wo hat man schon eine solch himmlische Dusche?! Auch heute wehte uns kein erwähnenswerter Gegenwind entgegen. Ob er sich nur ausruht? Streckenprofil
Landwirtschaftliche Flächen überall Landwirtschaftliche Flächen überall
Rauf und Runter Rauf und Runter
Extra lang geduscht Extra lang geduscht

Flagge Rumänien Oltenita - Flagge Rumänien Ostrov 8.9.2017, 88km

Quälend lange und unangenehme Etappe. Im Vergleich zu den mit den Rückenwind garnierten Etappen der Vortage heute mal wieder eine Strecke mit Aufwand. Dazu ein wenig abwechslungsreiches Landschaftsbild, es reihten sich schier unendlich viele ähnlich aussehende Dörfer aneinander. Erst nach der Fährüberfahrt an das Südufer der Donau wurde die Landschaft spannender: Links und rechts der Straße wurde Weinbau betrieben, Schatten in der prallen Nachmittagssonne spendeten am Straßenrand stehende Bäume. Der kleine Anstieg vom Fährufer hin zum Ziel in Ostrov war damit nur halb so schlimm. Hoffentlich gehts morgen gleich so weiter:)
Nette Anekdote: Die Besitzerin der Pension Danubius , in der wir schliefen, hat sich sehr über unser freundliches Entgegenkommen (Licht aus, Teller abgeräumt) gefreut und hat uns einige Bio-Äpfel aus eigenem Anbau geschenkt und zum Abschied einen schönen Satz gesagt: "The little things change the world". Toll:) Mit diesen Worten gings am nächsten Tag beschwingt nach Constanta. Streckenprofil
Stimmungscheck nach 1.500km: Bestanden :-) Stimmungscheck nach 1.500km: Bestanden :-)
Hier macht radeln Freude Hier macht radeln Freude

Flagge Rumänien Oltenita - Flagge Rumänien Constanta 9.9.2017, 129km

Hab ich gestern von einer unangehmen Etappe geschrieben...wie würde ich die heutige beschreiben? Ziemlich passend wäre: Höllentour . Von km 0 an bis kurz vorm Ziel ging es ständig auf und ab. Obwohl sich uns kein signifikanter Berg in den Weg stellte, zeigte am Ende des Tages das GPS-Gerät knapp 1.300Hm an. Als ob das noch nicht reichen würde, blies die komplette Fahrt ein kräftiger Gegenwind. Da ist er also. Der gefürchtete Ostwind. Vielfach gelesen, bisher noch gar nicht in Erscheinung getreten und völlig unverhofft zeigt er auf der letzten Etappe zum Schwarzen Meer seine ganze Kraft. Und wie! Nicht einmal bei Abfahrten von 3% konnten die müden Beine eine kurze Verschnaufpause einlegen, dafür blies der Wind einfach zu stark. Auch hier musste unverändert weiter kräftig in die Pedale getreten werden. Als eher mit einer niederen Trittfrequenz und hohem Gang fahrender, war ich schnell am Ende meiner Kräfte.
Dabei war die Landschaft heute wirklich toll (Weinberge, Obsthaine und hügelige Felder). Als wir dann endlich völlig erschöpft in Constanta ankamen, war der Jubel natürlich entsprechend riesig:) Ein Wort noch zu Thomas: Ich bin ihm für seine unermüdliche Führungsarbeit und dem daraus resultierenden Windschatten unendlich dankbar. Mir zogs bei km 70 komplett den Stecker, ohne ihn hätte ich die Etappe wohl vorzeitig für beendet erklärt;-) Wie gut ist es eine solche Tour zu zweit zu machen und sich abwechselnd oder wann immer es die Bedingungen erfordern, in den Wind stellen bzw. aus dem Wind heraus fahren zu können!
Als Entschädigung begaben wir uns abends auf ein Heimspiel des örtlichen FC Viitorul Constanta, der von keinem geringeren als Gheorge Hagi trainiert wird. Edeltechniker wissen natürlich um den Ex-Star von Real Madrid und vom FC Barcelona. Nicht ganz völlig überraschend knüpfte der von ihm trainierte Verein nicht ganz an die Fußballfeinschmeckerkost seiner großen Zeit an - wir waren trotzdem begeistert:-) Das Spiel endete mit einem Sieg der Heimmannschaft, allerdings nur, weil sich Steuea Bukarest für das EL-Spiel unter der Woche schonte. Egal! Der Sieg kann "uns" nicht mehr genommen werden - genau so wie Ground Hopper Punkt. Hehe. Streckenprofil
Ausblicke am Wegesrand Ausblicke am Wegesrand
Constanta!! Constanta!!
FC Viitorul - Steaua Bukarest FC Viitorul - Steaua Bukarest

Flagge Rumänien Constanta 10.9.2017, Ruhetag

Ein Tag der Erholung - selbstverständlich beginnend mit Ausschlafen. Es fiel heute nicht besonders schwer, das Rad in der Ecke stehen zu lassen und anstattdessen die Stadt zu erkunden:) Zugegeben, die Innenstadt von Constanta ist nicht wirklich ein Highlight. Bis aufs wirklich schöne Hafenareal mit einer kurzen aber schicken Promeniermeile und einem ehemaligen Casino aus der Gründerzeit gab es nicht wirklich viel zu sehen. Abgesehen von etlichen dem Verfall überlassenen Jugendstilprachtbauten, die nun von Obdachlosen als Asyl verwendet werden. Traurig der Anblick, erschreckend der Geruch der Fäkalien. Nach einer kurzen Nutzung der öffentlichen Nahverkehrsmittel, ging's zum Strand und ins Meer. Überraschung: Das Schwarze Meer schmeckt wenig nach Meer, es fehlt der starke Salzgeschmack! Als es anfing etwas kühl zu werden, brachen wir in Richtung Hotel, mit einem Abstecher in die "Fressmeile", auf. Als mein kleines Fazit von Constanta bleibt hängen, dass diese Stadt ein riesiger Sandstrand mit recht unansehnlichen Bettenburgen und Hotelkomplexen ist. Nichts wofür es sich lohnt nochmal oder gar deswegen zu kommen.
Das ehemalige Casino im Hafen von Constanta Das ehemalige Casino im Hafen von Constanta
Historisches Nationalmuseum in Constanta Historisches Nationalmuseum in Constanta
Constanta Catedral Constanta Catedral

Flagge Rumänien Constanta - Flagge Rumänien Jurilovca 11.9.2017, 92km

Vorletzte Etappe. Vorfreude auf das Ziel:-)
So fiel es heute nicht besonders schwer, der Stadt Lebewohl zu sagen. Wie es sich gehört, mit einem ordentlichen Frühstück. Und was für einem! Die Küche schien nur für uns da zu sein, denn nach und nach wurde der Tisch mit Obst, Müsli, Gebäck, Käse, Wurst, Gemüse, Eier, Tee und Kaffee eingedeckt (der Tisch für 4 Leute war fast zu klein;-) ). Es hat schon seine Vorteile, wenn man einziger Gast im Hotel ist...
So ließ es sich also gut angehen und wir rollten gemächlich in Richtung unseres heutigen Zieles Jurilovca los. Die Etappe selbst bot kaum neues, die erhofften Blicke auf Küste oder Meer blieben weitestgehend aus. Kurz vor dem Ziel ereilte dem Thomas der Pannenteufel:( Der Hinterreifen hat schlapp gemacht. Aber was ein echter Fachmann ist, der braucht nicht lang zum Wechseln des Schlauchs. Mit kurzer Unterbrechung konnte es dann weitergehen. In Jurilovca selbst gestaltete sich die Suche nach einer Unterkunft etwas "knifflig": Die über booking.com buchbare existierte zwar, hatte aber kein Interesse an uns. Der Betreiber rief den Nachbarn an, der uns zuerst ein Zimmer für 180 Lei (ca. 40€) anbot, uns dann aber doch nicht haben wollte. Schlussendlich landeten wir im Privathaus einer alleinstehenden älteren Dame, die einen Tier- und Pflanzenfimmel hatte . Ich wusste bisher nicht, dass so viele Topfpflanzen in ein Haus gehen:) Streckenprofil
Mehr Frühstück als Platz im Magen:-) Mehr Frühstück als Platz im Magen:-)
Weite abgeerntete Mondlandschaft Weite abgeerntete Mondlandschaft

Flagge Rumänien Jurilovca - Flagge Rumänien Tulcea 12.9.2017, 55km

Ziel! Finale! Ab vom Rad und nimmer drauf! Die kürzeste Etappe war für mich die schwierigste, denn sagen wir mal so, ich hatte ein "unruhige" Nacht mit allem was dazugehört. An Essen war morgens nicht zu denken:( Ich versuchte mich an allerlei Medikamenten, Cola und Haustee. Um 12 ging's dann wenig motiviert auf die letzte Etappe. Thomas war großartig, war immer vor mir, guckte sich um und passte sich meinem Schneckentempo an. So zog er mich, begleitet heute ausnahmsweise von viel Rückenwind, bis nach Tulcea. Das Gefühl, endlich das Ortseingangsschild zu sehen, war unbeschreiblich, quasi eine Erlösung. Die Etappe war nicht schwierig, sie war schön zu fahren und bot mit Alleen, einer Burg und Schilflandschaften direkt neben der Straße viel Abwechslung - doch das alles flog heute fast unaufgenommen an mir vorbei. Kanns ned glauben: Vorbei:):):):) ! Heute wird groß aufgetischt. Das haben wir uns verdient. Dummerweise passt das so gar nicht meinem immer noch rebellierendem Magen. Hehe. Dann halt Nudeln. Ohne Sauce und gar nix. Ein bescheidenes Festmahl als Belohnung für diese Strapazen;-) Streckenprofil
Toscana? Nein, die abgeernteten landwirtsch. Flächen Rumäniens Toscana? Nein, die abgeernteten landwirtsch. Flächen Rumäniens
Am Ziel. Fertig, aber unendlich stolz Am Ziel. Fertig, aber unendlich stolz
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