Gemeinsam einsam - oder die Erkundung der Welt ♂ + ♀

Der Donauradweg: Von Wien nach Tulcea.
- Flagge Serbien Serbien -

Einleitende Worte

Mit dem Abschnitt in Serbien, der 434km umfasste, sollte der landschaftlich reizvollste Teil unserer Fahrt erreicht werden: Die Donau-Engstelle in den West-Karpaten mit dem angsteinflößenden Namen "Eisernes Tor". Wo kurz zuvor sich die Donau derart weit ausbreitete, dass kaum die andere Uferseite zu sehen gewesen ist, da verjüngt sich kurz danach der Fluss in ein enges Bett, kaum breiter als 30m, begrenzt von mehreren Hundert Metern senkrecht in den Himmel aufragenden Felsmassiven. Es sollte ein faszinierender und nicht mehr zu vergessender Anblick werden!
Aber Serbien bestand nicht nur aus der Faszination Eisernes Tor. Das Land wartete mit schönen Städten, freundlichen Menschen, rustikal gutem Essen und jeder Menge Sonnenschein pur auf. Vergessen werde ich nicht die Freundlichkeit einer Mitarbeiterin in der Pension Kod Smilje in Belgrad, die mit unnachgiebiger Hartnäckigkeit eine kleine Unterkunft am nächsten Zielort für uns recherchierte, fand und buchte. Unvergessen auch das Nutzen der Donau als öffentliches Schwimmbecken (in Deutschland unvorstellbar) und mit zunehmendem Vordringen in östlichere Gefilde, das immer stärker werdende Gefühl, dass der Kommunismus in Land und Leute noch ein Weilchen überlebt hat. Und zu guter Letzt: Die Mädels waren auch den ein oder anderen Blick wert;-)

Sombor - Bac 26.8.2017, 91km

Sollte ich gestern "heiß heiß heiß" als einleitende Worte für die Temperaturen verwendet haben, muss ich mir heute was anderes einfallen lassen. Die Sonne brannte erbarmungslos herunter, bereits beim Start um 10 Uhr zeigte das Thermometer mehr als 30 Grad an. In der brütenden Hitze des Mittags/Nachmittags heizte es sich teilweise auf mehr als 40 Grad auf! Schatten: Fehlanzeige. So mühten wir uns mit allen Kräften ab, mussten dazu noch eine kleine Krise meistern als um das Tagesziel diskutiert wurde, erreichten dann aber doch guter Dinge (lag's am Eis?) den Übernachtungsort Bac. Thomas wurde von übereifernder Motivation gepackt und putzte sein Radl. Ich hingegen machte mich auf die Suche nach dem seit einigen Tagen ewigen Gequietsche und wurde beim Gepäckträger fündig. Kurz auseinander gebaut, Öl dran ... Stille:)
Eine Bleibe fanden wir in einer günstigen Pension ( Pension Jakic ), die von einer deutschstämmigen älteren Dame geführt wird. Lasst euch nicht vom ersten Eindruck des Restaurants (etwas schäbig) in die Irre führen, die Zimmer sind ok und mit 20€ sehr günstig. Streckenprofil
Häufig am Wegesrand zu sehen: Bienenstöcke Häufig am Wegesrand zu sehen: Bienenstöcke
Bac Bac

Bac - Novi Sad 27.8.2017, 76km

Heute absolvierten wir ein relativ kurzes Stück mit lediglich ca. 75km. Was jedoch die unerträgliche Hitze nicht gerade als einfachere Etappe werden ließ. Die Kommunikation beschränkte sich auf das Nötigste, nur kurz im Schatten eines Baumes fanden wir ein paar Worte. Die Strapazen sind nicht zu unterschätzen... Alle Kraft geht in die Beine. Mal sehen, wie es nach einer frischen Dusche im Hotel Veliki aussieht:-)
Wie nicht anders zu erwarten war, wich die Lethargie der Neugier auf die Stadt, wie der Dreck dem Shampoo unter der Dusche. Raus und erkunden war die Devise. Als erstes steuerten wir den Bahnhof an, weil wir uns darauf einigten die morgige Etappe nach Belgrad mit dem Zug zurückzulegen. Laut unserem Kartenmaterial sowie unseren Recherchen werden die beiden größten Städte Serbiens zwar durch etliche Straßen verbunden, diese sollen aber sehr stark befahren sein. Um kein Risiko einzugehen, kauften wir uns als für insgesamt ca. 10€ Zugtickets nach Belgrad. Der Pflichten für heute genüge getan, fragten wir uns anschließend zum Donaustrand durch und mischten uns bei einem erfrischenden Bad unters einheimische Volk. Da so ein Strandtag bekanntermaßen ziemlich hungrig machen kann, sahen wir uns alsbald im schönen Zentrum Novi Sads in einem der vielen Straßen-Restaurants sitzen. In herrlicher Lage mit bestem Ausblick auf die vorbeispazierenden locals gab es einen köstlichen Tomaten-Feta Salat und ein Risotto mit Meeresfrüchten. Das obligatorische dunkle Bier durfte natürlich auch nicht fehlen.
Unter uns (und falls noch nicht bekannt): Urlaub ist herrlich Streckenprofil
Wo bitte gehts hier denn weiter? Wo bitte gehts hier denn weiter?
Donaustrand in Novi Sad Donaustrand in Novi Sad
Sozialistischer Charme Sozialistischer Charme
Kohlehydrate auffüllen:-) Kohlehydrate auffüllen:-)

Novi Sad - Belgrad 28.8.2017, Zug

Die verkehrsreiche Strecke zwischen der zweitgrößten und größten Stadt Serbiens hatten wir ja bequem per Zug übersprungen:) Gute Entscheidung nicht nur wegen des Verkehrs: Auch heute herrschten wieder heiße Temperaturen...
Im schmucken Belgrad angekommen, schlugen wir uns erstmal zu unserer kleinen Unterkunft Kod Smilje durch, wo wir sehr freundlich empfangen wurden. Nach dem Austausch von ein paar sight-seeing Tipps, besichtigten wir das Automobile Museum , das informativ und gut hergerichtet mit Exponaten der vergangenen Autofahr-Epochen aufwartete. In Ermangelung anderer Besucher hatten wir das komplette Museum für uns allein - was unter gestrenger Beobachtung des mürrischen Besitzers im Übrigen wohl eher Regel als Ausnahme ist.
Noch ein Wort zum Track: Die heutige Strecke wurde zwar wie üblich mitgetracked, aber wie gesagt stellt sie die Zugverbindung zwischen Novi Sad und Belgrad dar. Also nicht auf die Idee kommen, diesen Track mit dem Rad nachfahren zu wollen. Das würde ein bisserl holprig werden;-) Streckenprofil
Bahnhof Belgrad & Fahrer Bahnhof Belgrad & Fahrer
Automobile Museum Belgrad Automobile Museum Belgrad
Orthodoxe Kirche in Belgrad Orthodoxe Kirche in Belgrad

Belgrad 29.8.2017, Ruhetag

Diesen herrlichen freien Tag nutzten wir um Belgrad zu erkunden. Auf dem Plan standen heute, wie konnte es anders sein, techniklastige Museen: Das mit tollen Ausstellungsstücken ausgestattete Aviation Museum am Flughafen (keine engl. Infos ansonsten nett mit anzusehen) und das in der Innenstadt liegende Nikola Tesla Museum . Hier wurde in einer mitreißenden Führung über das Leben und Wirken des serbischen Elektrotechnikers, Erfinders und Unternehmers erzählt. Die bahnbrechenden und in aller Welt genutzten Erfindungen wurden verständlich illustriert: Anschaulich wurden die Funktionsweise von Induktion, Transformierung von Niedrigvolt auf Hochvolt inkl. leuchtenden Neonröhren erklärt. Insbesondere der praktische Teil der Führung war faszinierend. In der Hand gehaltene illuminierte Leuchtstoffröhren -ohne an eine externe Stromquelle angeschlossen zu sein- sind einfach der Hammer. Wuhu! Im Anschluss an die geballte Ladung Wissen gönnten wir uns in einem Straßencafe einige heimatliche Schlucke Erholung.
Es eilte heute gar nichts, ein tolles Gefühl nach der Kilometerhatz der vergangengen 12 Tage. Beim Abendessen war uns allerdings das Glück nicht allzu Hold, wurde uns doch nur mittelmäßige serbische Küche mit einem Hauch Touristennepp vorgesetzt. Das kann gut gerne verschmerzbar sein, hatte uns doch das Näschen bisher meist in sehr gute Lokale geführt. Heute ausnahmsweise ohne Palatschinken ins Bett. Der wurde für den nächsten Morgen aufgehoben *yummi*.
Aviation Museum Aviation Museum
Nikola Tesla Museum. Nerd-Alarm ;-) Nikola Tesla Museum. Nerd-Alarm ;-)
Heimatgefühle Heimatgefühle

Belgrad - Stara Palanka 30.8.2017, 102km

Letzter Tag Mais-, Sonnenblumen- und sonstige Felder. Voll gut:) Die 100km am heutigen Tag fühlten sich lang nicht so anstrengend an wie es andere bereits taten. Was 10 Grad weniger und 1,5 Ruhetage ausmachen. Hehe. Das Etappenziel namens Stara Palanka ist ein Nest bestehend aus einer Fähre, drei Restaurants und einer Unterkunft. Und in dieser einen Unterkunft miefts. Es miefte extrem. Naja. Für eine Nacht tuts das. Jetzt ab in die Donau und plantschen:) Aus dem Plantschen wurde nix. Bei näherem Betrachten wars mehr a Drecklackerl und alles andere als einladend - passend zur Unterkunft. Eine Nacht ist aushaltbar, mehr allerdings nicht;-) Nun sitzen wir entspannt im Donaurestaurant und warten auf unseren Salat mit Fisch bzw. Grillplatte. Ham mer uns verdient:-) Streckenprofil
Der Herr der Palatschinken Der Herr der Palatschinken
Donau vom Stara Palanka Restaurant Donau vom Stara Palanka Restaurant
Augen zu und durch Augen zu und durch

Stara Palanka - Donji Milanovac 31.8.2017, 98km

Der Start war holprig. Das Frühstück ließ ich in der Unterkunft aus hygienischen Gründen unangetastet aus (Thomas "der Saumagen" genoss fröhlich die aufgetischten Köstlichkeiten - nur komisch, dass er bereits nach 5min des Speisens Augen verdrehend zurückkehrte), ebenso waren die Straßenverhältnisse der ersten 20-30km nur mäßig.
Doch dann wandelte sich das Bild: Der Asphalt wurde spürbar besser, der Weg führte nun direkt an der Donau entlang und offenbarte immer wieder wunderschöne Blicke auf den Fluss. Am Ufer wuchs Schilfgras, im niederen Wasser stackste eine Kuhherde durch das Wasser und nach einiger Zeit zeigte sich die Burgfestung Golubac, die majestätisch über dem imposanten Fluss aufragt. Wow! Dazu kitzelten etliche Höhenmeter die bereits straffen Oberschenkel - eine Etappe mit großem Spaßfaktor. Bisher die beste Etappe!
Nach einer zeitraubenden Suche einer Unterkunft in Donja Milanovac (entweder waren die Gästehäuser verlassen oder die Unterkünfte überteuert), fanden wir nach einem knackigen Schlussanstieg (>14%!) eine Bleibe für die Nacht. Die Unterkunft in Donji Milanovic ist ein riesiges Hotel mit bestimmt annähernd 150 Zimmern, wovon allerdings gefühlt nur zwei weitere belegt zu sein schienen. Passend zum Ostblock-Sozialismus-Charme des leicht angestaubten Hotel Lepinski Vir , der knorrige Service des Empfangs und das etwas hochnäsig wirkende Personal, das sicher noch den besseren Zeiten vergangener glorreicher Tage hinterhertrauerte, wie die vielen Fotos und Auszeichnungen einer in der Lobby ausgestellten Vitrine belegen sollten. Aber hey...alles ist besser als die versiffte Abstellkammer der vergangengen Nacht! Don't miss the panorama-view! Streckenprofil
Fähre zur Südseite Fähre zur Südseite
Festung Golubac Festung Golubac
Es wird ländlicher Es wird ländlicher

Donji Milanovac - Drobeta Turnu Severin 1.9.2017, 67km

Das Highlight! Nicht das Frühstück im ehemals russischen Vorzeigehotel... nein nein (obwohl sich der Ober zu einer ungewohnt freundlichen Geste des Marmeladennachschlags hinreißen ließ)... das eigentliche Highlight war definitiv die Querung der engsten Donau der Stelle in den Karpaten, dem sogenannten "Eisernen Tor". Steile Klippen, mit ebenso steilen Anstiegen, ragten über 100m kerzengerade aus der Donau heraus. Kurz danach ein großes Becken mit mehreren Kilometern im Durchmesser. Hier sieht die Donau nicht wie ein Fluss, sondern vielmehr wie ein großer See aus. Trotz der Anstrengungen an den Anstiegen war dieser Abschnitt wirklich der schönste! Die anschließende Passierung der Grenze nach Rumänien über den Staudamm Derdap verlief ohne Probleme.
Die Unterkunft in einer kleinen Pension war ok, das Personal mäßig freundlich. Es lohnt sich nicht, diese hier extra zu erwähnen.
Dafür erwartete uns die Stadt mit einem freundlichen Empfang auf. "Extra für uns" fand an diesem Wochenende das dreitägige Mittelalter Festival statt. Ritter, Schwertträger, Reiter, Fanfaren und jede Menge Action waren geboten. Die Stadt mit dem komisch anmutenden Namen (wohl zurückgehend auf einen römischen Kaiser) hat uns sehr überrascht. Streckenprofil
Am Eisernen Tor Am Eisernen Tor
Statue des Decebalus Statue des Decebalus
Mittelalter-Festival Dr. Turnu Severin Mittelalter-Festival Dr. Turnu Severin
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