Gemeinsam einsam - oder die Erkundung der Welt ♂ + ♀

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Alpenpanorama par excellence

Einleitende Worte

Sustenpass, Grimselpass, Grosse Scheidegg mit Blick auf die Eiger Nordwand. Pässe und Gipfel, die weit über die Grenzen des Berner Landes hinaus bekannt sind. So weit bekannt, dass auch ein kleiner rennradbegeisterter Junge aus dem Herzen Badens sie kennt:-) Dieser Junge hatte sich also in den Kopf gesetzt diese Gipfelhöhen zu erklimmen. Da er aber bisher als einzige "Passhöhe" die Col de la Schlucht in den Vogesen mit 1.139m auf seine Fahne schreiben konnte, war er ein wenig des Bammels ob die Herausforderung nicht doch ein wenig zu groß sein würde. Aber was ein Traum ist, ist ein Traum!
Also wurde die Vorbereitung ernster genommen und mit dem ersten Erscheinen der noch kühlen Januar-Sonne die Radsaison eröffnet. So sammelte er bis zum Moment der Wahrheit im Juni 2017 ca. 1.500km und fühlte sich halbwegs gewappnet für die kommenden Aufgaben.
War ich es wirklich...? Lest selbst ;-)

Grosse Scheidegg (1.957m) & Sustenpass (2.239m) 22.06.2017

Gleich nach dem Frühstück in der einfachen Unterkunft Hotel Urweider in Innertkirchen wurde es ernst. Die Sonne schien, der Himmel war blau und das Thermoter sollte bis auf 30 Grad klettern. Nur für den späten Nachmittag wurden vereinzelte Regenschauer angekündigt. Aber bis dahin sollte ich wieder zurück sein. Sehr gute äußere Bedingungen also.
Ohne großes Einrollen ging es gleich den ersten Anstieg hoch zum Grosse Scheidegg . Es galt eine Höhendifferenz von 1.300m zu überwinden. Der Anstieg von der Nordostrampe aus Meiringen kommend, sollte der einfachere werden. "Einfach" in Anführungszeichen, denn auch hier mussten kurzzeitig Passagen von über 14% bewältigt werden. Glücklicherweise war die Straße nur mäßig vom Auto- oder Motorradverkehr belastet, so dass beispielsweise das Plätschern eines vorbeifließenden Gebirgsbaches, das Zwitschern der Vögel oder das schwere Atmen anderer Rennradler vernommen werden konnte:-) Das Panorama auf dem Gipfel entschädigte dann freilich für die morgendlichen Mühen, die rasante Abfahrt über die noch steilere Südwestrampe ließ den Schweiß in Windeseile trocknen.
Ich passierte Grindelwald, Interlaken und fuhr über das Nordufer des Brienzersees zurück nach Innertkirchen. Es war mittlerweile 14 Uhr. Da es für den Feierabend noch ein wenig zu früh war, entschloss ich mich kurzerhand auch noch den vor der Tür liegenden Sustenpass einen Besuch abzustatten. Ein Anflug von Größenwahnsinn? Denn hier galt es noch einmal über 1.600 Höhenmeter auf einer Strecke von 27 km zu bewältigen. Aber wer das Gefühl des flows kennt, fühlt sich stark genug auch eine weitere Herausforderung zu meistern. Zwar musste ich mir eingestehen, dass mir mit fortschreitender Höhe langsam die Puste ausging, aber da ich kein anderes Ziel als das Erreichen der Passhöhe hatte, legte ich etliche kurze Pausen ein um wieder zu Atem zu kommen.
Nach mehr als 2 Stunden erschien sie dann endlich im Blickfeld: Die schneebedeckte Passhöhe. Für ein langes Verweilen und Ausruhen war es leider zu kühl, so ging es ein paar Minuten und Beweisfotos später schon wieder auf die Abfahrt, die aufgrund des einsetzenden Regenschauers etwas risikoärmer als sonst genommen wurde.
Zurück in der Unterkunft wurden noch die beanspruchten Oberschenkel eingecremt, bevor es nach einer heißen Dusche und einer ordentlichen Portion Nudeln müde ins Bett ging. Streckenprofil
Innertkirchen Innertkirchen: Hinten Grimselpass, links Sustenpass
Passhöhe Grosse Scheidegg (1.957m) Passhöhe Grosse Scheidegg (1.957m)
Interlaken (570m) Interlaken (570m)
Herrliches Panorama Herrliches Panorama
Am Sustenpass Am Sustenpass
Passhöhe Sustenpass (2.224m) Passhöhe Sustenpass (2.224m)

Grimselpass (2.165m) 23.06.2017

Die ersten paar relativ flachen Kilometer hoch zum Pass waren perfekt um die noch leicht harten Oberschenkel des Vortages aufzulockern. Das Brennen der Muskeln im Oberschenkel ließ spürbar nach, es stellte sich schnell ein gutes Gefühl ein. Die 2,5 Stunden zur Passhöhe vergingen wie im Flug, was eindeutig auch an der abwechslungsreichen Strecke und dem phänomenalen Bergpanorama lag. Was für eine einzigartig schöne Auffahrt!
Einige Kilometer konnte ich mich sogar im Windschatten eines alten knatternden und feierlich geschmückten Traktors ausruhen, der schnaufend und keuchend die Serpentinen hoch zum Grimselpass in Angriff nahm.
Der Grimselpass ist, von der Nordrampe aus Innertkirchen kommend, ein landschaftlich wunderschöner und gleichzeitig nicht allzu schwierig zu fahrender Pass. Es sind zwar einige Tunnelabschnitte zu durchfahren (Rücklicht!) und die Straße ist stark frequentiert, aber die Ausblicke auf den Grimselsee und das darunterliegende Tal, die mitleidenden anderen Rennradler und die rummelähnliche Stimmung auf der Passhöhe machen die Anstrengungen mehr als wett.
Die Abfahrt zurück nach Innertkirchen unterbrach ich immer wieder um das faszinierende Bergpanorama aufzunehmen. Das ist schon überragend!
Für die ersehnte Abkühlung, denn auch heute waren es wieder mehr als 30 Grad, fuhr ich noch ein kleines Stückl weiter zu einem Baggersee, der sich direkt neben dem Flugplatz Meiringen befindet. Streckenprofil
Bergpanorama: Links Grimselsee, hinten Räterichsbodensee Bergpanorama: Links Grimselsee, hinten Räterichsbodensee
Hinter jeder Kurve sieht es anders aus Hinter jeder Kurve sieht es anders aus (hier: Räterichsbodensee)
Passhöhe Grimselpass (2.165m) Passhöhe Grimselpass (2.165m)
Der Klassiker Der Klassiker
Einfach nur zum Staunen Einfach nur zum Staunen
Herrliche Abkühlung für die überhitzten Wadl:) Herrliche Abkühlung für die überhitzten Wadl:)

Fazit

Hier ist jeder Meter schwer erkämpft. Der innere Schweinehund ist ein ständiger Begleiter. Die Temperaturunterschiede vom Gipfel zum Tal sind zum Teil grenzwertig.
Dennoch: Die Tour durch die Schweizer Alpen war genial! Ich würde es, mit entsprechender Vorbereitung, jederzeit wieder machen.
Die Bergkulisse ist einfach überragend, das Erklimmen einer jeden Serpentine ein kleines Erfolgserlebnis und das Erreichen der Gipfel eine riesige Leistungsbestätigung.
Viel ist nicht mehr zu sagen, außer: Wer Träume hat, sollte sie erfüllen!